LEAD digital-Autorin Irmela Schwab über Ereignisse, die in dieser Woche diskutiert werden.
LEAD digital-Autorin Irmela Schwab über Ereignisse, die in dieser Woche diskutiert werden. © Foto:privat

Wochenrückblick | | von Irmela Schwab

Krumme Sachen - und wie sie sich wieder hinbiegen lassen

Als im Alten Rathaus in München am vergangenen Mittwoch der Deutsche Mediapreis 2016 zelebriert wurde, starrten manche - ach, man glaubt es kaum - aufs Handy! Mit gebeugtem Oberkörper neigten sie sich tief über das puppenhandtäschchengroße Gerät, tippten, wischten, vollkommen in das Display vertieft. Wenn sie dann und wann hoch guckten, um einen Blick auf die Gewinner der Trophäen zu erhaschen, wirkten sie fast ein wenig wie Schildkröten. Die Autorin dieses Wochenrückblicks war da - um leider ehrlich zu sein -  keine Ausnahme.

Um so mehr fuhren wir herumdaddelnde Handy-Täter zusammen als plötzlich die Kampagne von Mediaplus für seinen Kunden AOK prämiert wurde, da oben auf der Bühne, auf die wir wegen unserer Kopfneigung kaum Zublick hatten. Der Claim "Heads up!" gewann in der Kategorie Mobile die Trophäe für die innovativste Media-Idee. Der Clou: Der Text der Ad ließ sich nur dann lesen, wenn man das Handy senkrecht hielt und somit gezwungen war eine gesunde aufrechte Haltung anzunehmen. Super cool! Noch dazu lustig, spielerisch und mit tatsächlich großem Mehrwert für unseren krummen User-Nacken. Da war sich die 15-köpfige Jury einig, die außerdem Christof "The Brain" Baron zur Media-Persönlichkeit des Jahres kürte. Baron, Chairman und Joint CEO EMEA von Mindshare, zählt zu "den profiliertesten Vordenkern der Branche", so das Jury-Urteil.

Innovative Wege der Kommunikation auszuprobieren liegt im Trend. Die Kommunikation über Emojis gehört dazu: Nun setzt auch Always auf die Symbolträchtigkeit der Bildsymbole: Die P&G-Marke nutzt die populären Zeichen für einen geschickten Weiterdreh ihrer #LikeAGirl- Kampagne. Noch beliebter aber als Grinsebildchen und das ewige Content Marketing ist derzeit das Thema der erweiterten und virtuellen Realitäten: Kaum gibt´s noch eine Konferenz, bei der einem keine Brille übergestülpt oder zumindest damit vor der Nase herumgewedelt wird. Klarer Vorteil für den Nacken: Es hält einen davon ab, aufs Handy zu stieren. 

Vorteil fürs Business: Weil neben Apple, Microsoft, Google, Samsung und Facebook nun auch mit Intel immer mehr Big Player im Markt von Augmented und Virtual Reality mitmischen, werden die Technologien wohl bald massentauglich sein. Für Marketer bedeutet das: Ausprobieren. Ausprobieren. Ausprobieren. 

Dabei aber auch immer an den User denken. Das hat Facebook laut dem Bundeskartellamt leider versäumt. Die Wettbewerbsbehörde verdächtigt das weltgrößte Online-Netzwerk, bei den Vertragsbestimmungen zur Verwendung von Nutzerdaten eine mögliche marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen - und hat ein Verfahren gegen den blauen Riesen eingeleitet.

Der Ausgangspunkt ist, dass Facebook-Mitglieder der Erhebung und Nutzung ihrer Daten zustimmen müssen. "Der Umfang der erteilten Einwilligung ist für die Nutzer nur schwer nachzuvollziehen", erklärt die Behörde. Es gebe erhebliche Zweifel an der Zulässigkeit dieses Vorgehens nach dem nationalen Datenschutzrecht. Manche Dinge lassen sich  - mein Nacken und ich wetten darauf - schon wieder gerade biegen, wenn sie krumm werden.

Krumme Sachen - und wie sie sich wieder hinbiegen lassen

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