Dominik Frings | | von Dominik Frings

Kindisches Trotzverhalten: Display ist doof!

Banner nerven, funktionieren nicht und machen das Internet kaputt. Die sind alle so hässlich, ich kann gar nicht genug essen wie ich gleichzeitig rückwärts wieder herausatme.

Es gibt keinen Kreativen mehr auf der Welt, der sich damit beschäftigen möchte und das völlig zu Recht. Und Kunden gibt es eh keine. Zumindest keine mit Geschmack. Sieht man ja an den Bannern. Irgendein farbenblinder Geschmackslegastheniker muss die Dinger ja mal freigegeben haben. Oder halt: Vielleicht gibt es unterirdische Zombielabore, die in retrograden Schleifen Banner bauen, freigeben und aufschalten. Die hocken bestimmt irgendwo in alten nordkoreanischen Kanalrohren oder Schweizer Atombunkern und überschwemmen uns mit der Ausgeburt ihrer eigenen Inkompetenz.

Wenn Sie jetzt zu Recht fragen, was das soll und ob der Autor wirklich noch alle Latten am Zaun hat, verweise ich gerne auf ein fantastisches Interview, dass ich leider bis zum Ende gelesen habe. Es wurde darin nicht übermittelt, wie Kollege Stephan Noller den größtmöglichen Mangel an Differenzierung ausgehalten hat. Doch ihm gebührt der eigentliche Respekt, wobei ich noch lange nicht fertig bin:

Ich denke, wir packen jetzt das Internet ein und schalten ab. Bis auf Google natürlich und Facebook. Die lassen wir vielleicht noch an. Wobei, wenn ich jetzt drüber nachdenke, wieso brauchen wir noch Google, wenn der Rest abgeschaltet wurde. Ach ja Youtube war der Grund. Da kann man die Werbung so schön wegklicken und nur gute Werbung setzt sich durch. Wenn ich so recht überlege, brauche ich Facebook eigentlich auch nicht. Da nehmen wir doch lieber gleich Whatsapp und wir schenken uns den Rest. Da gibt es garantiert keine Werbung, außer ein paar lustigen Bildchen zur WM und ein paar andere nette Gimmicks, welche die User für uns kreieren.

Überhaupt, der User! Das ist der richtig Kreative und mit dem hätten wir uns auseinandersetzen müssen, dann hätte es funktioniert. Aber so sehe ich nix außer Google und Facebook, ach nein, Youtube und sonst nichts. Das waren ja auch die einzigen Erfolgreichen. So ein paar Produkte, die mich interessieren (Wurstsemmeln, Skiunterhose im Angebot oder wechselwarme Feuchttücher für fortgesetzte Bannerdiarrhoe), hätte ich vielleicht verkraftet. That’s it. Ich schaue mir überhaupt viel lieber Fernsehwerbung an, weil ich da mehr Lean back bin und weil Werbung häufig ja noch besser ist, als der Scripted Reality-Schmodder drum herum. Auch Möbelhäuser im Radio und Beilagen in meiner Lieblingszeitschrift Happiness sind gerne genommen, so lange ich bloß nicht diese Banner… außer Google… Facebook… und….äääähhhmmm…ich glaube jetzt habe ich mich ein wenig verzettelt.

Aber die Botschaft ist rüber gekommen oder? Sonst würde ich noch mal kurz von vorne…! Nein? Auch gut! Mir ist nämlich gerade auch die Fliegenklatsche kaputt gegangen, mit der ich den ganzen Tag auf die Banner in meinem Bildschirm einprügele!

Mir fällt es schwer, abschließende Worte zu finden, denn eigentlich handele ich gegen meine eigene Empfehlung, Unqualifiziertes nicht zu kommentieren. Das gilt erst Recht, wenn sich das personifizierte Media(un)gewissen heute ebenfalls zu Wort meldet, jedoch bin ich leider der Versuchung erlegen. Um die Dinge einzuordnen nur so viel: Es gibt furchtbar schlechte Onlinewerbung, es gibt jedoch auch sehr gute. Es gibt furchtbar schlecht gemachte TV-/Print/-Radio-...Werbung genauso wie hervorragende Umsetzungen. Es gibt gut geplante Mediakampagnen (ich will hier bewusst nicht nach Medien differenzieren) und intelligente Leute dahinter und es gibt diejenigen, die sich als Sachkundige berufen fühlen, jedoch vor lauter dekonstruktivem Lamento vergessen, einen nachhaltigen Beitrag zu leisten.

Dominik Frings ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

PS: Das "personifizierte Media(un)gewissen" Thomas Koch alias Mr Media kommentiert heute bei W&V die Brandeins-Diskussion unter dem Motto "Nehmt den Onlinern die Werbung weg!"

Kindisches Trotzverhalten: Display ist doof!

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