KI: Was sich Unternehmen und Behörden davon erhoffen
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Praxisanwendungen | | von Annette Mattgey

KI: Was sich Unternehmen und Behörden davon erhoffen

Künstliche Intelligenz ist nicht nur ein Thema für Unternehmen, sondern auch für die öffentliche Hand. Jetzt will das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mithilfe einer Software zur Dialekterkennung einfacher und sicherer erkennen, woher Asylbewerber kommen.

"Die Idee ist, von Asylantragstellern eine separate Sprachprobe aufzunehmen und einer automatischen Dialektanalyse zu unterziehen", sagte BAMF-Referent Julian Detzel der "Welt". Innerhalb der nächsten zwei Wochen wolle man mit ersten Tests beginnen. Mit einem routinemäßigen Einsatz des Systems sei aber nicht vor 2018 zu rechnen.

Das System soll den Angaben zufolge auf Technik zur Sprecher-Authentifizierung basieren und speziell auf Dialekte zugeschnitten werden. Skeptisch über die Zuverlässigkeit eines solchen Systems äußerte sich Dirk Hovy, deutscher Computerlinguist an der Universität von Kopenhagen. Er sagte der "Welt": "Einen perfekten Datensatz zu erstellen, ist praktisch unmöglich", schon weil sich Sprache dauernd ändere. Wenn man aber über eine breite Datenbasis verfüge, könne man zumindest eine verwendbare Annäherung schaffen. Das sei jedoch sehr aufwendig.

Das BAMF befindet sich in guter Gesellschaft: Künstliche Intelligenz wird laut einer aktuellen Studie von etlichen Unternehmen in Deutschland bereits aktiv eingesetzt. Insgesamt 64 Prozent der befragten IT-Entscheider hätten angegeben, sich mit entsprechenden Technologien wie maschinellem Lernen zu befassen, ergab eine Studie des Marktforschungsunternehmens Crisp Research. Demnach nutzt ein Fünftel maschinelles Lernen bereits produktiv. Angetrieben werde die Nutzung auch dadurch, dass in der Cloud günstige Rechenleistung für die Verarbeitung großer Datenbestände verfügbar sei. "Was vor drei Jahren noch unrealistisch erschien, ist heute Realität", so die Studie.

Eine stärkere Kundenbindung ist demnach einer der wichtigsten Beweggründe für den Einsatz des maschinellen Lernens. "Auch wenn wir erst am Beginn des Zeitalters der "Data Industry" stehen: Wer seine Marktposition behalten oder ausbauen will, wird das künftig ohne Künstliche Intelligenz nicht bewältigen", sagte Klaas Bollhöfer, Daten-Spezialist der Berliner Beratungsfirma "The unbelievable Machine Company". Laut Studienergebnis gehen 80 Prozent der IT-Entscheider von einem Wertschöpfungsanteil zwischen elf und 50 Prozent bis 2020 aus.

Ebenfalls ein Fünftel der Unternehmen beschäftigt sich laut der Studie bereits mit dem "Deep Learning", der neusten Generation künstlicher Intelligenz. Vorreiterrollen nehmen demnach die Automobil-, Konsumgüter, IT-, Telekommunikations- und Medienbranche ein. Klassische Einsatzgebiete sind etwa die Personalisierung von Inhalten, die Kommunikation mit den Kunden über digitale Assistenten, die Prognose von Kundenverhalten oder automatisierte Empfehlungssysteme.

am/mit dpa

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