the Hundert | | von Mike Schnoor

Jan Thomas: "Keiner zahlt im Netz für flachen Einheitsbrei"

Einhundert Investoren, Gründer, Szenegänger, Journalisten sowie Medien- und Verbandsvertreter – ihre Statements bündelt seit dem 15. Oktober 2013 das kostenlose Print-Magazin „the Hundert – Standpunkte zur Online-Hauptstadt Berlin“.  Von der Gründerszene und in Blogs gefeiert, scheint das Magazin mit einer Auflage von 12.500 Exemplaren zu einem potenziellen Vorbild für deutsche Verlage aufzusteigen. Mike Schnoor sprach für LEAD digital mit Jan Thomas, Herausgeber des neuen Magazins „the Hundert“ und des Szeneblogs „Berlin Valley“, über seine Rolle und den "flachen Einheitsbrei" der etablierten Verlage.

Herzlichen Glückwunsch zu dem neuen Job. Wie fühlt sich der Schritt vom Startup-Szeneblogger zum Herausgeber und Verleger von "the Hundert" an?

Vielen Dank! Im Moment sind wir ganz gut drauf, auch wenn unser Blog BerlinValley unter dem neuen Projekt ziemlich zu leiden hat und die ganze Logistik des Magazins schon eine echte Herausforderung ist. Aber die momentanen Reaktionen auf das Heft freuen uns sehr.

Welche Ideen und Konzepte stecken hinter "the Hundert" und auf welche davon musste bei der aktuellen Produktion verzichtet werden?

Hm… wir, das sind mein Partner Konstantin Iwanow und ich, haben „the Hundert“ ja einfach mal gemacht. Ohne Hintergedanken und ohne Businessplan. Ich glaube, man muss Dinge ausprobieren, um herauszufinden, ob sie einem Spaß machen und ob sie eine Daseinsberechtigung haben. Verzichten mussten wir eigentlich nur auf den erhofften Beitrag von Oliver Samwer. Ansonsten hat die Erstausgabe von „the Hundert“ unsere eigenen Erwartungen deutlich übertroffen. Es ist während der Produktionszeit immer weiter gewachsen. Ziemlich sicher, dass wir mindestens ein weiteres Magazin machen werden, um die Prozesse zu optimieren. Das wird sicher auch spannend.

Die Vielfalt des Magazins ist mit 100 Standpunkten von bekannten Persönlichkeiten beachtlich. Nach welchen Kriterien wurden die Autoren ausgewählt?

Wir haben natürlich viele der üblichen Verdächtigen im Heft, die immer mit der boomenden Berliner Online-Szene assoziiert werden, wie zum Beispiel Alexander Ljung von Soundcloud, Johannes Reck von GetYourGuide oder Christian Reber von 6Wunderkinder. Aber wir haben bewusst auch einige Berliner „hidden Champions“ mit ins Heft genommen. Und auch vielversprechende Neulinge. Außerdem wollten wir eine gute Mischung aus Unternehmern, Investoren, Medienvertretern und Verbandsvertretern. Außerdem haben wir versucht, möglichst viele weibliche Autoren im Heft unterzubringen. Das war gar nicht so leicht – insbesondere bei den Investoren.

Was können etablierte Verlage von der Produktion von "the Hundert" und seiner Vermarktung als kostenfreies E-Book und gedrucktes Magazin lernen?

Ich glaube, es ist viel zu früh für eine derartige Bewertung. Und sicher wäre es auch vermessen, wenn wir uns als Herausgeber eines kostenlosen Magazins über die Probleme der Geschäftsmodelle der etablierten Verlage äußern. Wovon ich aber überzeugt bin ist, dass Qualität und Relevanz immer eine Berechtigung haben werden. Etablierte Verlage haben den Markt mit inhaltlich flachem Einheitsbrei überflutet, für den die Kunden im Zeitalter des Internets einfach nicht mehr bezahlen wollen und müssen. Die Probleme der Publisher sind meines Erachtens größtenteils hausgemacht – wenn nicht zu 100 Prozent. Ob eine Kostenloskultur die ultimative Antwort darauf ist, vermag ich allerdings nicht zu sagen.

Wie häufig, über welche Kanäle und vor allem wo konsumierst Du Medien?

Ich nutze Feedly. Das ist meines Erachtens ein optimaler Weg, um alle Überschriften zu scannen und die für mich relevanten Artikel herauszufiltern und zu lesen. Auf unserem Blog haben wir eine Übersicht der von uns verfolgten Kanäle. Wenn ich zwei Tech-Blogs herausheben darf, wären das Netzwertig und Exciting Commerce, die ich beide als Meinungsführer klassifizieren würde. Ansonsten je nach Themenschwerpunkt unterschiedlich.

Warum wurdest Du Verleger und Publizist?

Der Titel „Verleger“ klingt so cool. So klassisch. Irgendwie so gestrig… Aber ganz im Ernst – ich denke, ein Heft macht einen noch nicht zum Verleger. Neugierde ist ein guter Antrieb, Dinge einfach mal auszuprobieren. Ich hoffe, das bleibt so und beim nächsten Mal fragst Du mich vielleicht, wie es sich anfühlt, Astronaut zu sein.

Jan, ich danke Dir für unser Gespräch.

Mike Schnoor ist einer der "Digital Leader", einer festen Gruppe von Bloggern, die ab sofort ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreiten. Mehr zum Autor und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

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