Das halten die Deutschen von KI.
Das halten die Deutschen von KI. © Foto:Bitkom

Bitkom | | von Annette Mattgey

Hier hoffen die Deutschen auf künstliche Intelligenz

In vielen Bereichen sehen die Deutschen enormes Potenzial für künstliche Intelligenz. Aber sie sehen auch Risiken. Deshalb fordert der Branchenverband Bitkom eine bundesweite Strategie zu Entwicklung und Einsatz der Schlüsseltechnologie.

Ob Sprachassistenten, selbstfahrende Autos oder intelligente Roboter: Künstliche Intelligenz zählt zu den Schlüsseltechnologien der kommenden Jahre. Einer aktuellen Studie zufolge halten sie zwei Drittel der Menschen in Deutschland (69 Prozent) für ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg von Unternehmen in Deutschland. Künstliche Intelligenz werde die Gesellschaft tiefgreifend verändern, sagte Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom. "Bereits in wenigen Jahren werden viele Produkte und Dienstleistungen mit Maschinenintelligenz ausgestattet oder sogar von ihr geprägt sein. Wir müssen alles tun, um das Potenzial von KI für die digitale Gesellschaft bestmöglich zu nutzen.“

Dabei halten sich nach Meinung der Bevölkerung erwartete Chancen und Risiken die Waage. Der Bitkom fordert deshalb eine bundesweite Strategie zu Entwicklung und Einsatz der neuen Technologie. "Wenn wir die nächsten Jahre darauf verwenden, alleine das Für und Wider der Technologie zu debattieren, werden wir international abgehängt", sagte Berg. Der Studie zufolge sehen neun von zehn Bundesbürgern Handlungsbedarf vor allem bei der Politik, um klare Grenzen zu setzen oder zumindest den groben Rahmen für die Entwicklung abzustecken.

Wie die repräsentative Studie des Bitkom ergab, sehen die Menschen in Deutschland Chancen in fast allen Lebensbereichen. Die größten Vorteile erwarten die Befragten demnach für einen reibungsloseren Straßenverkehr (83 Prozent), für die Entlastung von körperlich belastenden Tätigkeiten (81 Prozent) und für beschleunigte Verwaltungsprozesse (68 Prozent). Jeweils zwei Drittel sagen, dass Verwaltungstätigkeiten durch KI beschleunigt werden (68 Prozent), in der Forschung die Innovationskraft steigt (67 Prozent) und der Kundenservice Anfragen zuverlässiger bearbeiten kann (64 Prozent). Ebenfalls eine Mehrheit geht davon aus, dass die Polizei durch den Einsatz von KI Verbrechen schneller aufklären kann (54 Prozent) und im Gesundheitswesen mit KI-Hilfe bessere Diagnosen gestellt werden (57 Prozent). "Es geht nicht darum, dass ein KI-System den Polizisten oder den Arzt ersetzt. Es geht darum, dass intelligente Systeme ihm zuarbeiten", sagt Berg

Es gebe aber auch große Sorgen, dass dabei Arbeitsplätze verschwinden, so Berg. Über konkrete Befürchtungen wurden die Teilnehmer der Studie nicht befragt. 60 Prozent stimmten allerdings zu, dass Künstliche Intelligenz bei der Organisation des Arbeitsalltags werde helfen können. 59 Prozent glauben demnach, dass sie Weiterbildung am Arbeitsplatz erleichtern wird und 42 Prozent sehen in ihr eine Chance, sich auf sinnvollere Arbeiten zu konzentrieren.

Bedenken gegenüber der Technologie sind jedoch in vielen Bereichen verbreitet. So stimmten 78 Prozent der Befragten der These zu, dass künstliche Intelligenz Machtmissbrauch und Manipulation Tür und Tor öffne. 67 Prozent sind der Meinung, sie bilde nur Vorurteile der Programmierer ab. Dass künstliche Intelligenz vermeintlich faktenbasierte Entscheidungen vorgaukele, stimmten 64 Prozent der Befragten zu. Und dass sie sich "irgendwann gegen den Menschen richten" werde, glauben 54 Prozent der Befragten.

"Wir müssen besser und breiter darüber aufklären, was künstliche Intelligenz kann und was sie aber auch nicht kann", sagte Berg. Es gebe immer bessere Systeme, die für spezielle Aufgaben trainiert würden und diese besser als der Mensch erledigen könnten. "Eine Maschine, die besonders gut Krankheits-Diagnosen stellt, kann aber eben nur das und wird weder meine Reisen buchen noch meine Wohnung putzen."

Nach Ansicht des Bitkom muss die Bundesregierung die Ausgaben für KI-Forschung deutlich erhöhen und in der laufenden Legislaturperiode mindestens 4 Milliarden Euro bereitstellen. Zusätzlich sollten im Minimum zehn Masterstudiengänge und 40 Professuren für KI eingerichtet werden, um dem drohenden Fachkräftemangel bei dieser Zukunftstechnologie entgegenzutreten. "KI hat eine sehr grundsätzliche Bedeutung für die Entwicklung der digitalen Gesellschaft. Wir brauchen Eckpunkte einer digitalen Ethik, die wir in einer Partnerschaft von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik entwickeln sollten."

Bitkom hat zusammen mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) einen umfangreichen Reader zur wirtschaftlichen Bedeutung und gesellschaftlichen Herausforderungen von KI veröffentlicht. Auf mehr als 200 Seiten wird gezeigt, in welchen Unternehmensbereichen heute schon KI-Anwendungen eingesetzt werden und welche Rolle der Mensch auch beim automatisierten Entscheiden noch spielt. Dabei widmet sich ein eigenes Kapitel ethischen Fragen, aber auch rechtliche und regulatorische Fragen sowie die Diskussion über Algorithmen als Wirtschaftsgut werden behandelt. Der Reader steht zum kostenlosen Download bereit unter: www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Entscheidungsunterstuetzung-mit-Kuenstlicher-Intelligenz.html .

(am/mit dpa)

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