Sven Kramer, Geschäftsführer der Consultingfirma Liquam.
Sven Kramer, Geschäftsführer der Consultingfirma Liquam. © Foto:Liquam

Analyse | | von einem Gastautor

Digitalisierungsumfrage zeigt: Wer zögert, wird abgehängt

"Sind Sie digital ready?", fragte die Strategieberatung Liquam vor einiger Zeit die Leser von LEAD digital. 1.544 haben geantwortet. Geschäftsführer Sven Kramer über die zentralen Ergebnisse des "E-Quick-Check":

Vor allem kleinere Unternehmen haben zumeist wenig Digitalisierungserfahrung und heben sich dadurch nicht von ihren direkten Konkurrenten ab. 23 Prozent der Unternehmen mit unter 1.000 Mitarbeitern sehen den Digitalisierungsgrad ihres Unternehmens in einer schlechteren Situation als bei ihren direkten Wettbewerbern. Bei Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern sind es allerdings mit 19 Prozent nur marginal weniger, die sich in einer im Vergleich schlechteren Situation sehen.

Luft nach oben bei kleinen und großen Unternehmen

Deutlicher ist der Unterschied mit Blick auf Projekte, die auf Digitalisierung ausgerichtet sind. Insbesondere größere Unternehmen zeigen sich hier nach eigenen Angaben sehr aktiv – mit wachsender Tendenz. So gaben 84 Prozent der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als zehn Millionen Euro an, dass die Anzahl der auf Digitalisierung ausgerichteten Projekte in den letzten zwölf Monaten gestiegen ist. Bei Unternehmen, die einen Jahresumsatz von weniger als zehn Millionen Euro vorweisen, sind es nur 62 Prozent. Luft nach oben sehen jedoch die meisten Umfrageteilnehmer: Der Großteil der Befragten plant demnach, die Prozesse hinsichtlich der Digitalisierung zu ändern. So wollen beispielsweise 68 Prozent der Teilnehmer ihr Datenmanagement im Rahmen der Digitalisierung verbessern.

Bei allen Aktivitäten rund um die Digitalisierung zeigt die Befragung jedoch auch, dass viele Unternehmen Gefahr laufen abgehängt zu werden, da sie ihre Geschäftsmodelle und Prozesse nicht auf den Prüfstand stellen. Lediglich 20 Prozent aller Befragten gleichen ihr Geschäftsmodell bzw. ihre Prozesse regelmäßig mit neuen technologischen Möglichkeiten ab. Dass viele Unternehmen diesen Schritt scheuen, hängt oftmals damit zusammen, dass sie nicht mit den Ergebnissen umzugehen wissen. So empfinden 92 Prozent der Befragten, die nie ihre Geschäftsmodelle und Prozesse mit den neuen technologischen Möglichkeiten abgleichen, auch die Umsetzung der geplanten und/oder absehbaren Digitalisierung in ihrem Unternehmen als schwierig. 71 Prozent der Befragten, die nie ihre Geschäftsmodelle und Prozesse mit den neuen technologischen Möglichkeiten abgleichen, bewerten auch den Digitalisierungsgrad ihres Unternehmens als in einer schlechten Situation.

Auch die Fehleinschätzung aktueller Trends führt zu falschen Entscheidungen – konkret der Vernachlässigung der Digitalisierung – und in der Folge zu Wettbewerbsnachteilen: 24 Prozent aller Befragten, die etwa die Verzahnung der Online- und Offline-Welt als eher unwichtig erachten, bewerten den Digitalisierungsgrad ihres Unternehmens im Vergleich zu ihren direkten Wettbewerbern in einer schlechten oder schlechteren Situation.

Digitalisierung jetzt starten

Egal, ob es am Anfang eines Digitalisierungsprozesses steht, bereits ambitionierte Projekte umgesetzt hat oder zu den Fortgeschrittenen in Sachen Digitalisierung zählt – in jedem Unternehmen schlummern ungenutzte Potenziale. Insbesondere kleine Unternehmen haben häufig noch Nachholbedarf – mehr noch: Um den Anschluss nicht zu verpassen, müssen sich Unternehmen jetzt intensiv mit den Möglichkeiten der Digitalisierung beschäftigen. Sie sollten sich fragen: Wie können neue Geschäftsfelder erschlossen und Prozesse verschlankt werden? Wo steht das Unternehmen im Vergleich zum Wettbewerb? Was sind neue und kommende Trends? Wie sollte man sich hier frühzeitig positionieren und wurden vielleicht in anderen Branchen oder internationalen Märkten bereits passende Lösungen entwickelt? Doch auch für Unternehmen, die bereits Digitalisierungsmaßnahmen ergriffen haben, gilt es, ihre Digitalisierungsstrategien weiter zu professionalisieren, permanent neue Möglichkeiten zu analysieren und die daraus resultierenden nächsten notwendigen Schritte zu machen.

Sven Kramer ist Gründer und Geschäftsführer von Liquam. Zuvor war er für ein deutsches Unternehmen im Bereich Unternehmensentwicklung in Singapur und Shanghai tätig sowie bei einer internationalen Unternehmensberatung in der Geschäftseinheit Business Strategy & Transformation als Strategie- und Managementberater. Sven Kramer startete seine Laufbahn mit einer kaufmännischen Ausbildung bei einer IT-Beratung und hält zudem einen Abschluss an der Universität Hamburg und an der Linné-Universität in Schweden in den Bereichen Betriebswirtschaftslehre und internationales Management.

Digitalisierungsumfrage zeigt: Wer zögert, wird abgehängt

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