Im Dienstleistungsgewerbe ist noch am meisten Potenzial für Digitales.
Im Dienstleistungsgewerbe ist noch am meisten Potenzial für Digitales. © Foto:EY

Studie von EY | | von Annette Mattgey

Digitale Transformation spaltet Mittelstand

Gerade kleine Mittelständler in Deutschland würden ihre Geschäftsmodelle gerne digitaler machen und sich damit für die Zukunft rüsten. Eine EY-Analyse zeigt jetzt, was dem Fortschritt im Wege steht.

Jeder dritte Mittelständler hierzulande tut sich schwer mit der Digitalisierung. Die größten Hemmschuhe sind demnach zu kleine Budgets (12 Prozent), Fachkräftemangel (11 Prozent) oder fehlendes Wissen (9 Prozent) im eigenen Betrieb. Andererseits sehen 71 Prozent keine Hindernisse auf dem Weg zur Digitalisierung.

Bei mehr als jedem zweiten Unternehmen (54 Prozent) spielen digitale Technologien bereits jetzt eine große beziehungsweise mittelgroße Rolle für das eigene Geschäftsmodell.

Die Unternehmen, die heute schon digitale Technologien für ihr Geschäftsmodell nutzen, setzen sie vor allem in der Kundenbeziehung ein. 39 Prozent pflegen ihre Kundenbeziehungen ganz oder teilweise auf digitalem Weg. 33 Prozent haben mobile Endgeräte wie Smartphone oder Tablet in ihre tägliche Arbeit integriert, und 23 Prozent wickeln Verkauf und Bezahlung online ab.

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Diese Warnung vor einer Zweiklassengesellschaft bei der Digitalisierung des Mittelstandes ist ein Ergebnis einer Analyse des Beratungskonzerns EY aus Stuttgart. Sie umfasst 3000 Betriebe und ist laut EY repräsentativ für den gesamten deutschen Mittelstand. 

Die gute Konjunktur in den Betrieben überdecke das Problem derzeit noch, sagte EY-Partner und Studienleiter Peter Englisch. Er warnte: "Wenn die Zeiten schlechter werden, wird sich die Spreu vom Weizen trennen und Unternehmen mit konsequenter Digitalisierungsstrategie werden einen Vorteil im Wettbewerb haben." Während Dienstleister und Handel schon heute verstärkt auf die Digitalisierung setzten, liefen die Industrie sowie der Bau- und Energiebereich meist noch hinterher.

Generell scheint der Einzug digitaler Technologien in den deutschen Mittelstand nicht mehr aufzuhalten. Bei gut jedem zweiten Unternehmen (54 Prozent) spielen digitale Technologien bereits eine große oder mittelgroße Rolle für das Geschäftsmodell. Jedoch gibt immerhin noch jedes fünfte Unternehmen an, dass sie gar keine Rolle spielten.

Das wird sich ändern. "Deutschland ist ein Hochtechnologie-Standort, der von der Innovation lebt", sagt Englisch. Beispiele für digitale Revolution gibt es längst: Uber mischt die Taxibranche auf, AirBnB lehrt Hoteliers das Fürchten und Fließbänder vernetzen sich mit den Bauteilen. Aber auch die Analyse von gegnerischen Mannschaften per Software ist für die deutsche Fußballnationalmannschaft schon Alltag.

Gut jedes dritte Unternehmen (35 Prozent) geht laut der EY-Studie davon aus, dass die Bedeutung der Digitalisierung in den nächsten fünf Jahren deutlich zunehmen wird. 39 Prozent erwarten immerhin noch eine leichtes Plus. Laut Fachmann Englisch hat es die Energiebranche derzeit besonders schwer, die sich nach dem Atomausstieg und dem Rückbau von Kraftwerken neu sortiert. Durch die Restrukturierungen fehle vielerorts das Geld für Investitionen in neue Technologien.

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Für Unternehmen aus Dienstleistung und Handel haben digitale Technologien heute schon eine sehr große Bedeutung, und sie wird auch in den kommenden Jahren deutlich zunehmen. 30 Prozent der Dienstleistungsunternehmen und 21 Prozent der Handelsunternehmen geben an, dass digitale Technologien für sie eine große Rolle spielen. Für 46 Prozent der Dienstleistungsunternehmen und 36 Prozent der Handelsunternehmen wird die Bedeutung noch deutlich zunehmen.

"Der Handel und die Dienstleister mussten sich bereits mit deutlichen Veränderungen ihrer Geschäftsmodelle durch die verstärkte Nutzung von Internet und Smartphones auseinandersetzen. Sie haben sich in den vergangenen Jahren am stärksten gewandelt, neue Formen der Kundenansprache und des Verkaufs entwickelt und etwa die Kommunikation mit den Kunden auf die digitale Ebene verlagert."

In der klassischen Produktion hingegen stehen wir teilweise erst am Beginn größerer Umwälzungen, betont Englisch: "In der Industrie halten digitale Technologien erst noch Einzug, obwohl auch hier die Vorteile auf der Hand liegen – beispielsweise in der Lieferkette. Wenn jedes Teil zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, spart das enorme Kosten."

am/mit dpa

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