Ines Köhler, Canto.
Ines Köhler, Canto. © Foto:Dmexco-Trends

Dmexco | | von Annette Mattgey

Content, Video, Customer Journey: Das sind die Dmexco-Trends

Mitte September findet die Dmexco statt - das Klassentreffen der Online-Marketing-Branche. Viele hochkarätige Speaker aus aller Welt werden unter dem Motto "Lightening the Age of Transformation" über das Next Big Thing referieren. Ob man als Austeller dabei sein muss, darüber streiten sich die Marketingverantwortlichen. Als Trendbarometer dient das Event jedoch auf alle Fälle. LEAD digital hat sich daher umgehört, was die Messebesucher in diesem Jahr von der Dmxco erwarten und welche Inspirationen sie sich erhoffen:

Ines Köhler, Director of Marketing & PR bei Canto:

Was die Mediaagenturen überwiegend vollzogen haben, steht den Marketingabteilungen bei den Advertisern noch bevor. Der Kompetenzbereich Kommunikation hat sich um die digital-technische Komponente erweitert. Das gilt nicht nur für automatisierten Mediaeinkauf oder die kreative Produktion, die plötzlich verstehen muss, wie Dynamic Creatives funktionieren. Die Entscheider in den Marketingabteilungen sollten in Zukunft ermessen können, welche technischen Systeme zum Asset Management für das eigene Unternehmen notwendig und wirtschaftlich sind. Die Aufgabe umfasst unter anderem Verständnis für Bildrechte, digitale Strukturen und interne Kommunikation.

Alexandra Kolleth, Mitglied der Geschäftsleitung und Head of Marketing Solutions bei Linkedin DACH: 

Nach wie vor finde ich Content ein sehr spannendes Thema, besonders in der B2B-Welt in der die Customer Journey oftmals nicht Tage, sondern Monate oder Jahre dauert. Um da auf die Shortlist von Einkäufern zu kommen – und zu bleiben – ist relevanter Content das A und O. Eine Statistik von Forrester Research zeigt, dass fast 90 Prozent der Kaufentscheidungen im B2B-Bereich feststehen, bevor überhaupt der erste Kontakt mit einem Sales-Mitarbeiter zustande kommt. Deshalb ist es für B2B-Unternehmen überlebenswichtig, in relevante und nützliche Inhalte zu investieren.

Nico Astfalk, Geschäftsführer von Oddity, Stuttgart:

Bei allem Streben von Agenturen, die digitale Transformation auf Kundenseite mehrwertstiftend zu begleiten, dürfen diese nicht verpassen, auch ihre eigenen Prozesse zu digitalisieren. Programmatic Advertising, Programmatic Design, künstliche Intelligenz und Machine Learning sind hier nur erste Boten einer neuen Zeit. Wenn Watson morgen den Job von Steuerberatern und Anwälten besser machen kann, müssen auch wir uns auf völlig veränderte Arbeits- und Kreationsprozesse einstellen.

Christopher Kollat, Managing Director DACH , Monotype, Berlin:

Marken erkennen zunehmend, dass sie bei ihrer Content-Strategie nicht länger an den herkömmlichen Lösungsansätzen festhalten können. Die Marke gehört den Verbrauchern, sie sind es, die heute die Markenidentität stark prägen und mitgestalten. Um Konsumenten zum eigenen Markenbotschafter zu machen, müssen sie für ein fesselndes und authentisches Markenerlebnis an allen Touchpoints sorgen, Ergebnisse analysieren und ihre Strategien optimieren. Ich bin gespannt, auf den Branchenaustausch und neue Dmexco-Insights zu diesem Thema.

Francois Roloff, Managing Director bei Madvertise:

Damit die Kunden wirklich in die mobile Markenwelt eintauchen, müssen Kreative Mobile Ads ganz anders betrachten als jedes Format zuvor. Um den eigentlich kleinen Bildschirm zu erweitern, gilt es, haptische Rückmeldungen genauso zu nutzen, wie Vertical Video mit Inhalten, die über die Screengröße hinaus gehen, 360-Grad-View über Lagesensorik des Handys und fein kombinierte Videos, die etwa mit Liebe zum Detail in der Tiefenschärfe arbeiten. Das Kreativ-Team braucht also Coder und Grafik-Designer, die Medium Mobile vollständig verstanden haben. Es reicht nicht, nur Display-Kampagnen anzupassen. Die Kreativ-Teams der Zukunft müssen selbst Spaß haben, verspielt sein, und vor allem über ausreichend Kapazitäten verfügen, um die aufwändigen Animationen ganz genau auf den Nutzer zu optimieren.

Stefan Klimek, Global Vice President Finance, HR & Commercial bei Plista:

Interaktion mit Videos definiert sich nicht länger über die Tasten Play, Pause und Vorwärts, sondern erlaubt Nutzern eine sehr breite Range, Information in der für sie perfekten Form zu konsumieren. Sie wählen den Weg bzw. die Ansicht, beantworten Fragen, füllen Formulare aus, kaufen Produkte oder laden Dateien herunter, ohne den Player zu verlassen. Trotz des hohen konzeptionellen Aufwands hinter solchen Angeboten winkt Marketern der bleibende Eindruck bei der Zielgruppe, den einfache Display-Kampagnen oft nicht (mehr) liefern können.

David Baker, Managing Director und SVP bei Amobee:

Bei uns dreht sich gerade alles um Targeting und Personalisierung im Video-Bereich. Als Beispiel: Junge Autofahrer bevorzugen Autowerbung, die sportlich, adrenalingeladen und stylisch ist. Eltern dagegen legen mehr Wert auf Sicherheit. Neben dem Bild kann natürlich auch der Text entsprechend angepasst werden und das Video mit einem personalisierten Call-to-Action abschließen, der die jeweilige Zielgruppe besonders anspricht. Das stärkt die Kundenbindung.

Johannes F. Sutter, Head E-Commerce Sales, SIX Payment Services:

Ob Pop-Up-Store oder die Übernahme von Whole Foods durch Amazon: digital geht nun auch stationär. So überlegen 26 Prozent der Online-Shop-Betreiber in Deutschland, Österreich und der Schweiz in stationäre Geschäfte zu investieren, wie eine Umfrage zum Thema Omni-Channel von Six Payment Services ergeben hat. Der Trend dahinter: zusätzliche Touchpoints schaffen, Kundenbeziehungen ausbauen und neue Kunden gewinnen. Die Grenze verschwimmt zusehends, online bestellte Waren werden im Laden umgetauscht, dort gesehene Produkte später online bestellt. Für die Umsetzung bedarf es allerdings Expertise, insbesondere bei der Integration von Bezahllösungen in Systeme und Prozesse, die alle Online- und Offline-Kanäle einheitlich umfassen.

Helge Ruff, Geschäftsführer, 1-2-social, München:

Insgesamt wird es eine Budgetverschiebung von klassischen Werbeformaten in Richtung Social Media und mobile Anwendungen geben. Investiert wird vor allem in die Steigerung der Qualität des Contents. War Social Media bis vor kurzem ein Ort für eine Zweitverwertung von Bild- und Videomaterial, so bauen viele Unternehmen jetzt auf speziellen Social-Media-Content. Auch das Thema Influencer Marketing erfährt gerade einen richtigen Hype und benötigt eine deutliche Professionalisierung.

André Gebel, Vorstand Beratung und Strategie bei Coma, München:

Das aktuelle Influencer-Bashing nervt. Die Branche ist im Blickfeld der aktuellen Kennzeichnungs-Diskussion schon reichlich überprofessionalisiert. Aus Ambition und Guerilla ist Big Business geworden und zwar auf beiden Seiten. Vielleicht sollten alle wieder einen Schritt zurückgehen. Blogger wieder ihrem eigentlichen Talent frönen und Werbungtreibende besser auf den Markenfit und vor allem die Zielgruppe ihres Markenbotschafters achten.

Carsten Frien, Co-Founder und Geschäftsführer bei Roq.ad, Berlin:

Das alte Bonmot "Die richtige Werbung, zur richtigen Zeit, am richtigen Platz" muss in 2017 um das richtige Gerät erweitert werden. Dieses Versprechen können nur Anbieter, Dienstleister und Marketer mit Cross-Device-Verständnis halten. Denn sie wissen, welcher Kunde welches seiner drei bis vier Geräte nutzt. Außerdem wird auf der Dmexco neben People-Centric-Marketing und datengetriebenem Marketing auch Bewegtbild eine große Rolle spielen. Speziell Addressable TV und programmatische Bewegtbildwerbung inklusive Datennutzung zählen sicherlich zu den Trendthemen.

Rolf Anweiler, SVP Marketing bei Mapp Digital, München:

Zwei Themen reizen mich dieses Jahr auf der Dmexco im Besonderen: Erstens, welche konkreten Lösungen können wir als Digitalbranche nach all dem Hype unseren Kunden zum Thema GDPR (EU-Datenschutzgrundverordnung) wirklich liefern. Gerade die deutschen Unternehmen haben hier aufgrund des seit jeher strikten deutschen Datenschutzes einen Standortvorteil und sollten entsprechend die Standards setzen. Zweitens freue ich mich darauf, unsere Ultimate Digital Experience endlich auch in Deutschland vorstellen zu können, bei der Marketing-Entscheider eine ideale Customer Journey durch die Augen ihrer Kunden erleben können.

Franco Paolucci, Senior Enterprise Sales Executive, ContentSquare:

Als großen Trend sehe ich die Verbindung von User Experience Analytics Tools und künstlicher Intelligenz. UX-Lösungen sammeln so viele Daten, dass eine menschliche Auswertung oft einfach aufgrund der Datenmasse schwierig ist. Maschinen aber schaffen diese Analysen, erkennen auch sehr komplexe Muster und können mittlerweile sogar entsprechende Handlungsempfehlungen geben. Unserer Erfahrung nach kann die Conversion-Rate im Onlineshop so um durchschnittlich fünfzehn Prozent gesteigert werden.

Weitere Themen rund um die Leitmesse Dmexco lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der W&V (Nr. 37), ein Wendeheft mit tiefen Einblicken in Frontend und Backend. 

Bleiben Sie live am Ball, was sich gerade bei der Dmexco tut - mit dem W&V Live-Blog.

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