Meike Leopold | | von Meike Leopold

Content? Gerne – aber bitte ohne Aufwand und für umsonst!

"Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer." Wie wahr, lieber Johann Wolfgang von Goethe. Und wie passend, wenn es um das Schlagwort Content geht! Das Gebot der Stunde ist packender, unterhaltsamer, relevanter Content. So predigen es die Kommunikationsexperten landauf, landab, und die Unternehmen hängen an ihren Lippen. Wer Stand heute noch kein Content-Marketing-Seminar besucht hat, ist wirklich ein armer Tropf und lebt hinter dem Mond.

Alle reden über Content. Ein paar Vorzeigeprojekte werden von Workshop zu Workshop gereicht. Aber wenn das Seminar zu Ende ist und jeder wieder an seinem Schreibtisch sitzt, kommt die große Ernüchterung: Storytelling? Schnickschnack! Videos? Viel zu teuer! Firmenblog? Bringt doch nichts! Der Punkt ist: Wohlfeile Bekenntnisse zu "guten Inhalten" gibt es in vielen Marketing- und Kommunikationsabteilungen. Aber derweil wurstelt man lieber weiter inhaltsfrei vor sich hin.

Webseiten ohne Inhalte, zugemüllte Firmenblogs

Während das Thema Content bei übersichtlichen Budgets sein trauriges Nischendasein fristet, scheint der Glaube an die Wirkkraft von Kampagnen und Werbung ungebrochen. Dabei stehen "Kanäle" ganz oben auf Prioritätenliste und nicht die Inhalte. Ganz zu schweigen von denjenigen, die über diese Kanäle beschallt werden sollen.

Die Liste der Grausamkeiten lässt sich endlos fortsetzen: In Unternehmen werden nach wie vor schöne bunte Webseiten gebaut, für die bis kurz vor dem Go Live die Texte fehlen. Na und? Die kann man billig zukaufen – zum Beispiel bei Content.de! Corporate Blogs werden mit Inhalten aus der Firmenbroschüre zugemüllt oder irgendwelche Grünschnäbel schreiben Blogposts, ohne einen Schimmer davon zu haben, wen sie ansprechen und was sie damit erreichen wollen.

Content Marketing ist eine langfristige Investition

Allein im ersten Quartal 2015 freute Google sich über einen Gewinn von 3,6 Milliarden Dollar. Einen nicht unerheblichen Anteil davon "spendeten" Unternehmen über bezahlte Klicks. Viele schmeißen damit ihr Geld buchstäblich zum Fenster raus. Denn sie haben wenig Ahnung von Kampagnen-Management und Erfolgsmessung. Anders formuliert: Es wird viel Geld für nichts investiert.

Viel lohnender und ganz bestimmt günstiger wäre es, endlich wie ein Verleger zu denken und zu handeln. Das erfordert, langfristig in ein vernünftiges, integriertes Content Marketing zu investieren, um Kunden zu gewinnen oder zu binden. Dafür steht in der Regel nicht das gesamte Know-how im Unternehmen zur Verfügung. Wie sieht es also aus mit der Bereitschaft, mit professionellen, erfahrenen Dienstleistern zu arbeiten und diese anständig für ihre Arbeit zu bezahlen?

Guter Content macht sich nicht von allein – oder doch?

80 oder 90 Euro für eine Textstunde?! Das geht vielen dann schon zu weit, denn texten kann ja schließlich jeder. Die Alternative: moderne Schreibsklaven, die zwei Wochen vor dem Abgabetermin online angeheuert und nach der Zahl der geschriebenen Wörter entlohnt werden. Wer weiß, vielleicht geht es in Zukunft ja sogar noch billiger? Michael Firnkes schreibt in seinem Buch "Das gekaufte Web": "Hochwertige und für die Zielgruppe relevante Texte automatisiert erstellen zu lassen, das sei (laut Angaben von entsprechenden Software-Herstellern) der Traum eines jeden Webseiten-Verantwortlichen."

Automatisierter Content, nach industriellen Prinzipien produziert? Ein Alptraum, der im Netz längst Realität ist und auch in Unternehmen Begehrlichkeiten wecken könnte. Zumindest solange Sachverstand und Qualitätsansprüche in punkto Content und Content-Strategie weiterhin Mangelware bleiben.

Meike Leopold ist einer der "Digital Leader", eine feste Gruppe von Bloggern, die ihre Meinungen und Kommentare via LEAD digital verbreitet. Mehr zur Autorin und den weiteren Mitgliedern der "Digital Leader" lesen Sie hier auf der Übersichtsseite.

Content? Gerne – aber bitte ohne Aufwand und für umsonst!

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