Influencer Marketing | | von Annette Mattgey

5 Tipps an Unternehmen: Dann klappt's auch mit den Bloggern

Was wünschen sich Blogger von Unternehmen? Dazu fragte die PR-Agentur Mashup Communications bei 27 Bloggern aus den Bereichen Fashion, Beauty, Fitness, Food und Consumer-Tech nach und fasste zusammen, wie eine gute Zusammenarbeit mit Influencern ablaufen sollte. "Wir stehen mit vielen Bloggern im engen Kontakt und können so direkt herausfinden, was für sie spannend ist, was ein absolutes No-Go ist und was sie sich von ihren Kooperationspartnern wünschen. Blogger Relations sind nicht neu, doch gerade in Deutschland herrscht noch große Skepsis, Unwissen und Aufklärungsbedarf", sagt Miriam Rupp, Gründerin und Geschäftsführerin von Mashup Communications.

Wann ist eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen für Blogger spannend?

In erster Linie kommt es immer darauf an, ob überhaupt Interesse am Produkt besteht und ob der Blogger authentisch dahinter stehen kann. "Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut von Bloggern und mit meiner gehe ich sehr sorgfältig um", beschreibt zum Beispiel Franziska Schmid, Bloggerin auf Veggie Love und Les Mads, ihre Philosophie bei Kooperationen. Im besten Fall handelt es sich um ein Produkt, das sich der Influencer auch selbst kaufen würde oder eine Marke, die er persönlich toll findet und die ihn persönlich anspricht. Genau dann stellt eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Influencer auch einen Gewinn für den Leser dar: Er wird vom Blogger persönlich und glaubwürdig informiert, unterhalten und inspiriert. "Ich schätze ehrliche und offene E-Mails, die gerne ohne Buzz-Wörter wie ‚streben eine langfristige Kooperation an‘ oder ‚Wir verfolgen schon lange deinen Blog‘ auskommen“, empfiehlt Timm Mohn von Nerdbench. Daher ist es wichtig, dass sich Unternehmen im Vornherein informieren, ob ihr Angebot tatsächlich zum Blogger passt. 

Was machen Unternehmen in der Zusammenarbeit mit Bloggern häufig falsch?

Erstes No-Go: Standardmails, von denen man merkt, dass sie es sind. Unpersönliche Anfragen à la "Lieber Blogger" oder gar die Begrüßung mit einem falschen Namen sind ein Garant für einen schlechten Start. Ein Tipp, der eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist und dennoch oft vernachlässigt wird: Die About-Seite des Bloggers durchlesen. "Ich wurde schon sehr oft mit Leonie angesprochen oder sogar Frau Löwenherz. Dabei steht sogar in der Sidebar 'Ich heiße Lena'. Klar passiert das Mal, gerade bei Rufnamen im Blognamen - allerdings zeigt es mir im ersten Moment, dass sich die Firma nicht hundertprozentig informiert hat", so Lena Becker vom Blog Leonie Löwenherz.

Ein weiterer sehr häufiger Fehler: Immer noch werden Blogger häufig als billige oder gar kostenlose Werbeplattform angesehen und ihr Wert wird unterschätzt. Ein guter, professioneller Blog bedeutet allerdings sehr viel Arbeit und Vollzeit-Blogger, die von ihrem Blog leben, können ihren Lebensunterhalt nicht von Produktsponsorings oder Reichweite des Unternehmens bezahlen. "Wenn kleine Unternehmen nichts zahlen können, finde ich das nicht schlimm. Aber wenn Anfragen kommen wie ‚Wir schicken dir einen Apfel und dafür schreibst du einen ganzen Artikel mit mindestens 350 Wörtern, inklusive eines Do Follow-Links und natürlich nicht als Kooperation gekennzeichnet‘ dann ist das wirklich unverschämt. Schlimm finde ich auch Aktionen wie ‚Schreib einen Blogartikel über uns und sichere dir die Chance, einen Apfel zu gewinnen‘“, kritisiert Patricia Teslenko von Cheaperia. "Relevante Blogs, die wirklich Einfluss haben und gute Qualität bieten (und damit das Image der Marke fördern), werden so nicht mehr in Betracht gezogen, weil diese für den Aufwand eine gewisse Summe verlangen", ergänzt Michèle Krüsi von The Fashion Fraction. "Eine Zusammenarbeit ist ein Geben und Nehmen und das muss auf Augenhöhe stattfinden - sowohl was die Vergütung als auch die Ansprache anbelangt", so Jens Mahnke vom Blog Atomlabor.de.

Ein weiteres No-Go: Das Vernachlässigen der Kennzeichnungspflicht. Für Blogger ist die Sache klar: "Wichtig ist mir bei Kooperationen immer die Transparenz. Es gibt bei mir keinen bezahlten Artikel, der nicht gekennzeichnet wurde", erklärt Patricia Teslenko. "Nerdbench veröffentlicht jeden Artikel mit einer genauen Kennzeichnung nach dem Break. Dort steht genau geschrieben, mit wem man wie zusammengearbeitet hat. Diese Kennzeichnung hat uns eher Leser eingebracht als abgeschreckt. Warum Unternehmen dieser Hinweis so abschreckt, verstehe ich nicht", berichtet Timm Mohn von Nerdbench. Unternehmen müssen verstehen, dass Blogger eine noch engere Bindung zu ihren Lesern haben als moderne journalistische Medien. Die Followerschaft will keine Schleichwerbung, sondern die echte Meinung des Bloggers. Volle Transparenz ist deshalb für beinahe alle Blogger höchstes Gut.

Wie kommen Startups und Blogger zusammen?

Gerade in der Startup-Welt macht sich oft die Frage breit, wie man es schafft, Influencer für sich zu gewinnen und das vielleicht mit einem neuen, noch nicht so etablierten Produkt und ohne ein großes Budget. Hier lautet die Devise mit dem Blogger in einen Dialog auf Augenhöhe zu treten und ihn direkt zu fragen, wie für ihn eine gute Kooperation aussehen könnte, wenn wenig Budget zur Verfügung steht. "Generell unterstützen Blogger Startups sehr gerne. Allerdings ist es der falsche Ansatz, schon von Anfang deutlich zu machen, man habe kein Budget. Denn Blogger haben genau wie Startups auch Kosten zu decken und hinter jedem Artikel steckt jede Menge Arbeit. Am Besten einfach anschreiben und nach Möglichkeiten fragen", so der Tipp von Michèle Krüsi von The Fashion Fraction. Meist reicht ein Social-Media-Beitrag für den Anfang auch schon aus. "Mit einem Startup aus Münster mache ich jetzt z.B. ein Instagram-Giveaway", so Lena Becker von Leonie Löwenherz, mit über 8.000 Instagram-Followern.

"Überzeuge mit den Produkten und erwarte nicht zu viel - ein Facebook-Post ist ein Anfang, aber ein Blogpost plus Youtube-Video plus Instagram-Post für zwei Ketten ist einfach nicht drin“, berichtet Luísa Lión von Style-Roulette. Auch Storm Westphal, Bloggerin von The Adorable Two mit über 50.000 Followern auf Instagram, unterstützt Startups sehr gerne. "Dennoch finde ich, dass Startups eventuell eine Art Botschafter-Programm einführen könnten. Also sagen wir Blogger XY macht Werbung für ein Startup, ist aber die Botschafterin des Startups und profitiert direkt vom Erfolg des Startups und seiner wachsenden Reichweite. So entsteht eine langfristige Beziehung zwischen Influencer und Startup", so Westphal. Eine weitere Idee von Jens Mahnke, Blogger auf Atomlabor: "Wenn es von der Logistik her passt, die Blogger einfach mal einladen oder zu einem persönlichen Gespräch beim Blogger vorbeikommen - solche Treffen können auch für die Startups eine große Bereicherung sein, was Social-Marketing anbelangt, und mitunter neue Horizonte öffnen."

Was erwarten sich Influencer von Events?

Vielen Unternehmen ist unklar, ob Events noch in sind, ob sie für Blogger überhaupt noch etwas Spannendes und Berichtenswertes darstellen. "Der Hype um Blogger-Events ist in letzter Zeit etwas abgeebbt. Auf Unternehmensseite bedeuten Events eine immense Kosten- und auf Bloggerseite eine gewisse Zeitbelastung. Kostenlose Drinks & Food und Produktpräsentation holen heute niemanden mehr hinterm Ofen hervor. Inhalte und Aktionen, die Blogger in ihrer Kreativität und Arbeit bereichern, sind daher unabdingbar", appelliert Miriam Rupp.

Wichtig ist die Location, eine überschaubare Anzahl an Influencern (Exklusivität!), die Übernahme der Reisekosten, aber auch das Konzept: Reine Werbeveranstaltungen durchschauen Influencer sofort. Blogger möchten Teil der Marke sein, vom Unternehmen inspiriert werden, etwas erleben, lernen oder kreativ und nicht einfach nur anwesend sein. Hier können sich insbesondere Startups mit ihrer Nische oder Expertise ins Rampenlicht rücken, zum Beispiel mit einem Workshop in Sachen SEO, einer Beauty-Lesson oder einem besonderen Kochkurs. Die wichtigste Regel lautet, niemals nur das Produkt als Hauptattraktion zu bieten. "Lieber poste ich ein tolles Shootingfoto auf Instagram/meinem Blog, als ein reines Produktfoto", so Lena Becker von Leonie Löwenherz.

Ein weiterer wichtiger Ansatz, den auch Bloggerin Sara Gavric von Sarabow.de betont: Events als Kennenlernmöglichkeit, als einen netten Austausch mit dem Unternehmen sehen, um dabei die Personen hinter den Produkten/ dem Service kennenzulernen. Nicht zu vergessen: Events stellen für den Blogger auch eine tolle Chance des Networkings untereinander dar. "Am wichtigsten ist mir bei Blogger-Events andere Blogger persönlich kennenzulernen. Das ist die einzige richtige Gelegenheit die man dafür hat. Genauso aber auch mit dem Unternehmen. Wenn man lange Kontakt zu einer Person zum Beispiel via Mail hat, ist es auch schön sie endlich mal persönlich kennenzulernen. Ein Gesicht, eine Stimme und ein Lächeln ist mir wirklich viel Wert, um dann wirklich längerfristig zusammenzuarbeiten", erklärt Westphal.

Fazit: Die Tipps der Bloggern an Unternehmen

"Am häufigsten hören wir von Bloggern, dass Unternehmen mehr Zeit in die Vorbereitung einer Ansprache stecken sollten", so Rupp. Ein kurzer Blick in die About-Seite klärt meist die ersten Fragen und liefert die wichtigsten Fakten. Freiheit in der Gestaltung der Blog- oder Social-Media-Posts ist ihnen außerdem sehr wichtig, um dem Leser einen echten, persönlichen Nutzen sowie Unterhaltung und Inspiration zu bieten. Blogger kennen ihr Publikum meist am besten und wissen, was sich ihre Leser wünschen. Hier ein paar Quick-Tipps der befragten Blogger:

# "Je angenehmer und freier die Kooperation, desto schöner und ehrlicher das Ergebnis." (Joana Gröblinghoff, odernichtoderdoch.de)

# „Ein freundlicher, persönlicher Kontakt, egal ob es sich um eine Agentur oder eine Marke handelt, ist mir sehr wichtig." (Nadin Eule, Eiswürfel im Schuh)

# „Kurz gesagt: Lieber mit einigen gut ausgewählten und passenden Bloggern langfristig zusammenarbeiten." (Franziska Schmid, Veggie Love)

# „Blogger ist nicht gleich Blogger. Am wichtigsten ist der Fit, passen Blog und Unternehmen zusammen? Individuelle Zuschnitte auf das Blog sind sinnvoll!" (Jessica Weiß, Journelles)

# "Lest die Blogs und schaut wie sehr euch der Stil des Blog und Bloggers gefallen, und nehmt Blogger nicht auf eure Mailingliste für Pressemitteilungen!" (Sebastian Canaves, Off The Path)

5 Tipps an Unternehmen: Dann klappt's auch mit den Bloggern

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