Zerstören Sie das Alte, um das Neue zu tun
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Wochenrückblick | | von Yvonne Göpfert

Zerstören Sie das Alte, um das Neue zu tun

Egal, auf welchem Event Sie aktuell aufschlagen, das große Thema digitale Transformation ist immer schon da. Doch selten wird so vehement der totale Cut mit der Vergangenheit gepredigt wie es Dietmar Dahmen, Chief Innovation Officer bei der IBM-Company ecx.io auf dem Internet World Kongress tat, der diese Woche in München stattfand. Wir wissen es alle: Neue Technologien eröffnen völlig neue Möglichkeiten. Glauben Sie beispielsweise, dass sich Comedy digitalisieren lässt? Youtube-Kanäle sind da nur der Anfang. In Barcelona gibt es einen Club namens Pay per Laugh. Es ist ein Comedyclub, in dem jeder Gast bezahlt, je nachdem wie oft er gelacht hat. Auf jeden Sitz ist eine Kamera gerichtet, die Lächeln und Lachen analysiert. Der Comedian hat einen Bildschirm vor sich, der ihm sagt: Achtung, Sitz 38 lacht nicht. Da der Comedian nur für lachende Gäste bezahlt wird, wird er sich ganz stark bemühen, Nummer 38 zum Lachen zu bringen. Die Datenanalyse hilft ihm dabei: Ist Nummer 38 männlich oder weiblich? Stylisch oder shabby gekleidet? Hat er/sie eine Begleitung? Anhand dieser Kriterien wird der Comedian sich überlegen, auf welche Weise er sein Programm abwandeln muss, um speziell Sitz 38 zum Lachen bringen. Was bei einem überschaubaren Publikum mit der menschlichen Intelligenz durchaus machbar ist, ist bei 100 Millionen oder mehr Kunden schon schwerer möglich. Nur mit künstlicher Intelligenz können wir in Zukunft die Bedürfnisse und Wünsche der Kunden individuell bedienen.

Vielleicht sollten wir dabei ausnahmsweise mal nach China schauen und die Chinesen imitieren. Sie investieren aktuell 150 Milliarden Euro in den nächsten Jahren in künstliche Intelligenz (und nur eine Künstliche Intelligenz weiß noch, wie viele Nullen das sind). Das Interessante an künstlicher Intelligenz: Künstliche Intelligenz kümmert sich um nichts! Sie lässt sich nicht von "Das haben wir schon immer so gemacht"-Fetischisten beeindrucken und auch nicht von Schönheit. Fragen Sie künstliche Intelligenz, wie Sie in der Rushhour 20.000 Menschen von Berlin Ost nach Berlin West bekommen, ohne ins Briefing Wertungen einzubauen. Denn nur dann kann KI ihre Stärken ausspielen und neue unorthodoxe Lösungen finden.

Für den Kunden einfacher werden

Komplexe Zusammenhänge überlassen wir also in Zukunft der künstlichen Intelligenz. In der Kommunikation aber müssen wir einfacher werden. Thema Standardprodukte nachbestellen: Wer kauft schon mit Leidenschaft so seelenlose Alltagsprodukte wie Geschirrspülmittel oder Klopapier? Wenn Sie als Marke es schaffen, dass solche Produkte automatisch bei Ihnen nachbestellt werden, dann sind Sie auf dem richtigen Weg. Denken Sie nur an den Trend, dass es immer mehr weg vom Produkte kaufen immer mehr hin zum Produkte nutzen geht - Beispiel Netflix, Beispiel Uber. Dann wundern Sie sich auch nicht mehr darüber, dass Waschmaschinenhersteller vielleicht in Zukunft die Waschmaschine verschenken und vom Verkauf der Waschmittel leben. Ähnlich wie es die Druckerindustrie in den Achtzigern als Businessmodell mit den Druckerpatronen etabliert hat.

Eigentlich muss sich heute jede Marke fragen, ob moderne Technologie ein Hilfsmittel für den Verkauf ihrer Produkte ist oder ob die Technologie das ist, was sie verkaufen. Das beste Beispiel ist Amazon mit seinen vielen Services. Dass Amazon nebenbei noch verkauft - geschenkt. Aber auch -Sportscheck hat schon umgedacht: Sportscheck verkauft nicht mehr Sportartikel. Sportscheck verkauft Sport.

Die richtigen Daten sind entscheidend

Alles, was Sie für ein erfolgreiches Business in Zukunft brauchen, sind Daten. Darüber sind sich alle einig. Aber die meisten Unternehmen haben zu viele Daten, die zu allem Unglück auch noch zu genau sind. Finden Sie heraus, welches die entscheidenden Daten sind mit Hilfe von KI. Doch damit Sie ihr Geschäftsmodell für die Zukunft fit machen können, müssen Sie das Alte zurücklassen. "Zerstören Sie das Alte, um das Neue zu tun" rät Dietmar Dahmen. Und unterstreicht auf der Bühne wirkungsvoll mit einer Motorsäge und drei Federkissen, wie er die Furzsessel der Bequemlichkeit zerstört.

Dietmar Dahmen  weiß: "Es wird immer Menschen geben, die versuchen, Sie aufzuhalten. Das Controlling beispielsweise sagt gerne, die neue Software sei zu teuer, lass uns erst die alte abschreiben. Aber Sie brauchen die neue Software, sie brauchen die neuen Technologien, um vorne mitzuspielen!" Viele Argumente kommen nur aus Bequemlichkeit. Niemand im Unternehmen will sich bewegen, niemand will den Wandel. Doch nur wer alte Festungen einreist, hat morgen eine Luxuswohnung 5.0 mit allem Komfort.

Zerstören Sie das Alte, um das Neue zu tun

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