Fashion Marketing | | von Annette Mattgey

"Zalando wird an Otto vorbeiziehen"

Noch hat Otto in vielen Punkten die Nase vorn gegenüber Zalando, insbesondere wenn es um SEO-Aspekte geht. In Sachen Social Media ist allerdings Zalando besser aufgestellt - und wird Otto überrunden, prognostiziert Wahid Rahim, Geschäftsführer von Ranksider. Er hat die wichtigsten Daten über die beiden beliebten Onlineshopping-Portale in einer Infografik (siehe unten) zusammengestellt. Mit der Plattform Efamex ist Ranksider selbst im Bereich Fashion Marketing aktiv.

Wie beurteilen Sie die Social Media-Entwicklung von Zalando?

Die Social Media-Entwicklung von Zalando ist extrem gut. Die gute Entwicklung ist nicht auf einmalige virale Effekte zurückzuführen, sondern auf eine dauerhafte und gut geplante Strategie. Bei Social-Media achten viele immer noch auf die Anzahl der Fans, es gibt viele andere wichtige Kennzahlen. Zalando.de wurde bisher beispielweise doppelt so oft auf Facebook geshared als Otto.de.

Was war entscheidend für den Aufschwung?

Ausschlaggebend für den Erfolg von Zalando ist das sehr gute Know-How im Bereich Online-Marketing, über das Zalando von Anfang an verfügt hat. Wichtig für die gute Entwicklung im Bereich Social-Media  sind sicherlich zum einen die sehr gut gemachten TV-Spots und die Kooperation mit ProSieben/Sat.1 und mit Germany’s Next Top Model.

Was aber oft übersehen wird, ist Zalandos konsequente Investition in Influencer-Marketing. Ich habe ein paar Beispiele für Influencer-Marketing von Zalando herausgesucht:

1.    Zalando bietet eine Kollektion von Paris Hilton an, und Paris Hilton empfiehlt ihre Kollektion auf Zalando an ihre über zwölf Millionen Twitter-Follower und über 3,2 Millionen  Facebook-Fans.

2.    Eva Padberg gibt auf Zalando.de Styling Tipps

3.    Die Stil-Ikone und Bloggerin Eleonora Carisi designt exklusiv für Zalando.

4.    Zalando arbeitet eng mit Fashion-Bloggern zusammen und veranstaltete z.B im Sommer dieses Jahres das „Zalando Summer House“ und hat 23 einflussreiche Bloggerinnen nach Berlin eingeladen.

Muss Otto noch nachlegen?

Otto ist bereits ganz gut aufgestellt, aber Zalando ist nicht mehr aufzuhalten und wird deutlich an Otto vorbeiziehen. Die Frage ist nur, wie lange die Gesellschafter von Zalando noch bereit sind, die massiven Marketingausgaben zu finanzieren. Zalando hat zwar die Marketingausgaben reduziert, die Ausgaben sind aber im Verhältnis zur Größe des Unternehmens immer noch sehr hoch.  

Otto muss auf jeden Fall neben Facebook und Twitter auch Tumblr, Pinterest und Instagram sowie Google+ sehr ernst nehmen. Auf diesen Plattformen ist Otto unterrepräsentiert. Ebenfalls muss Otto die Fashion-Blogs stärker berücksichtigen, denn laut einer Studie von Netbase sind für modebewusste, junge Frauen Fashion-Blogs die erste Inspirationsquelle. Eine Gewinnspiel-Aktion für Blogger reicht nicht aus.

Otto muss auch anfangen, mit neuen mobilen Plattformen wie Snapchat zu experimentieren, um in der jüngeren Zielgruppe relevant zu bleiben. Sicherlich sind Snapchat und Co. in Deutschland noch nicht relevant, aber wenn diese relevant werden, dann muss Otto schon das Know-How und erste Erfahrungen haben.

Welche Rolle spielt Social Media im Fashion Marketing in Zukunft?

Social Media spielt schon heute eine sehr wichtige Rolle im Fashion-Marketing. Social Media ist nicht nur eine Distributionsplattform für Mode-Labels, sondern auch eine nie dagewesene Inspirationsquelle für Designer. Inhalte und Informationen zu teilen und zu konsumieren gehört zu den menschlichen Bedürfnissen und die steigenden Nutzerzahlen von Facebook und Co sprechen dafür.

Über eine Milliarde Menschen sind auf Facebook aktiv und fast genauso viele schauen sich Youtube-Videos an. Über eine Milliarde Fotos werden täglich auf Facebook, Instagram und Snapchat hochladen. Social-Media-Plattformen bieten daher eine nahezu grenzlose Kommunikationsmöglichkeiten für die  Modeindustrie.   

Die Social Media-Kampagne von Tommy Hilfiger erreicht beispielweise 200 Millionen Impressions, und Zara hat über 19 Millionen Fans auf Facebook. Vor fünf Jahren wäre es nicht denkbar gewesen, dass eine Marke direkt mit 19 Millionen potenziellen Kunden sprechen kann, auch wenn nicht alle 19 Millionen die Posts von Zara sehen.

Die Youtuberin Michelle Phan hat beispielweise über fünf Millionen Abonnenten und laut Cosmopolitan wird sie über ihren Youtube-Kanal Einnahmen von über fünf Millionen Dollar erzielen. In den nächsten Jahren werden die Rollen von Medien neu definiert und verteilt. Modeunternehmen müssen bereit sein, Risiken einzugehen und Neues auszuprobieren, um langfristig Erfolg zu haben.   

Hier die Infografik:

 

"Zalando wird an Otto vorbeiziehen"

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